TAZ-Bericht mechthild bausch
11.03.1993

Plötzlich dem Tod begegnet



Der Autor und Maler Heiner Richheimer starb 73jährig in Hamburg
starb 73jährig in Hamburg

"Jetzt ist die Zeit,/wo ich nur warten kann/und hoffen, daß es mich/ganz
plötzlich trifft./Und alle Pläne,/was noch kommen soll,/sind Schall und
Rauch!" Heiner Richheimer, der vor nicht allzu langer Zeit diese Zeilen
schrieb, starb am Montag im Alter von 73 Jahren in Hamburg. Sein Tod, so
schmerzlich traurig er für die ist, die ihn kannten, enthebt ihn der
Verlängerung eines Leidens, dessen weitere medizinische Behandlung er wohl
ganz bewußt abgelehnt hatte.

Der Lebensgeschichte von Heiner Richheimer eine Öffentlichkeit zu verleihen,
dieser Versuch ist in der taz mehrfach unternommen worden. Ein
weiterer wird ihm nun nachgetragen: Die Ausstellung im Museum für
Hamburgische Geschichte über den "Zeitzeugen Heiner Richheimer", die er mit
seinen Freunden in den letzten Monaten zusammenstellte, soll im Laufe dieses
Jahres gezeigt werden.

Geboren wurde Heiner Richheimer 1920 in Güstrow. Weil sein Vater Jude war,
mußte er in Hamburg die Schule abbrechen. 1942 gründete er eine
Widerstandsgruppe, deren Mitglieder 1944 an die Gestapo verraten und
inhaftiert wurden. Vom KZ Neuengamme wurde Heiner Richheimer ins
österreichische KZ Mauthausen deportiert. Nach seiner Rückkehr nach Hamburg
begann er seine Bilder auszustellen und arbeitete als Regisseur und
Schriftsteller. In seiner autobiographischen Erzählung "Die Seifenblase"
schreibt er, ganz sanft, über das Sterben seiner Frau. Auch Heiner Richheimer
war jetzt nicht allein. M.Bausch